Philippe Soutter
führt den HCR nach Fribourg.
Unzufriedenes Personal von Stadtbus streikte am Dienstagmorgen für vier Stunden. Ein längerer Streik ist absehbar.
ÖV Es war eine Warnung und ein kleiner Vorgeschmack zugleich: Das Personal von Stadtbus trat am vergangenen Dienstagmorgen, 3. März, für vier Stunden in einen Warnstreik. Von 4.30 Uhr bis 8.30 Uhr legte es die Arbeit nieder. Dass die Auswirkungen auf den Morgenverkehr in der Stadt überschaubar blieben, hing vor allem damit zusammen, dass sich für Stadtbus unter anderem pensionierte Mitarbeiter hinters Steuer setzten und Chauffeure, die nicht streiken wollten. So fuhren trotz Streik 21 der sonst 64 Busse im Netz von Stadtbus.
Das Stadtbus-Personal, das sich beim Busdepot in der Grüze für den Streik organisierte, prangte dort mit wehenden Fahnen «unzumutbare Arbeitsbedingungen» an. Dienstschichten von über 12 Stunden, verkürzte Ruhezeiten oder unregelmässige Arbeitszeiten seien im Nahverkehr Realität. «Wir arbeiten am Limit», sagt einer der 260 Busfahrer von Stadtbus im Gespräch. Rund hundert von ihnen waren am Streik beteiligt. Ein anderer kritisiert die Erfassung von Minusstunden und klagt bereits jetzt über ein Defizit von 60 unverschuldeten Minusstunden. Die Streikenden haben drei Forderungen: Die Nacht- und Sonntagszuschläge sollen bereits ab 20 Uhr gelten, wie bei anderen ÖV-Anbietern, und nicht erst ab 22 Uhr. Zweitens soll eine faire Lösung für Einspringerdienste her.
Die Busfahrer würden oft erst am Vortag erfahren, ob sie Dienst haben. Drittens sollen die Minuszeiten abgeschafft werden. Die Forderungen liegen seit Ende 2024 auf dem Tisch, als 200 Stadtbus-Mitarbeitende der Geschäftsleitung eine Petition in diesem Sinne übergeben haben. Bisher ohne Erfolg. «Darum der Streik», sagt Micha Amstad, VPOD-Zentralsekretär für den Nahverkehr. «Trotz mehrmaliger Intervention stellen sich die Geschäftsleitung und der zuständige Stadtrat quer.» Im August 2025 hatte eine Mehrheit der Vertragsparteien, unter anderem der VPOD, den GAV per Ende 2025 gekündigt. Der Stadtrat war gegen die Kündigung.
Einig wurden sich die Streikenden und Stadtbus am Dienstag nicht. Stadtrat Stefan Fritschi (FDP), der auf eine sachliche Diskussion pochte, kam zum Busdepot an den Verhandlungstisch. Mitgenommen hatte er ein Zugeständnis bei den Einspringerdiensten. Stadtbus möchte Personen, die für Ersatzdienste eingeteilt sind, mit einer zusätzlichen Zeit- und Geldgutschrift entschädigen, sofern ihnen nicht zwei Tage vor dem Ersatzdienst ein regulärer Dienst zugeteilt wurde. Vor den Medien sagte Fritschi: «Ich lasse mich nicht unter Druck setzen. Ich betone, wir haben im Vergleich sehr gute Arbeitsbedingungen. Ich schliesse aber auch nicht aus, dass Verbesserungen möglich sind.» Der durchschnittliche Lohn bei einem Vollzeitpensum liege bei 80 600 Franken. «Das ist ein Salär, für das wir uns überhaupt nicht schämen müssen», so der Stadtrat. Weitere Zugeständnisse würden nicht in seiner alleinigen Kompetenz liegen und würden mitunter die Zustimmung des Parlaments benötigen.
«Wir haben mehr erhofft», sagte der Gewerkschaftssekretär nach den Verhandlungen. Gibt es am Donnerstag nicht weitere Zugeständnisse, wird das Fahrpersonal erneut in den Streik treten, diesmal unangekündigt und für einen ganzen Tag. Dies hat die Personalversammlung vor Ort beschlossen. «Der Warnstreik war erst der Anfang», sagte einer der Fahrer. «Es muss nächste Woche eine Lösung geben. Wir haben schon lange genug gewartet», so Amstad vom VPOD. Dass der Streik ein politisches Manöver sei, widerspricht Amstad. «Es geht hier um die Anliegen des Personals, nicht um Parteien.»
Sandro Portmann
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